Solisten

Ihrem Ideal als Internationale Orchesterakademie verpflichtet, lädt die Klassische Philharmonie Bonn regelmäßig junge Nachwuchstalente dazu ein, das Orchester bei einer ihrer Tourneen zu begleiten. Durch zahlreiche Kooperationen sind diese Musiker häufig Preisträger namenhafter Musikwettbewerbe, denen als Preis eine Deutschlandtournee mit dem Orchester ermöglicht wird. Darüber hinaus verfügt die Klassische Philharmonie Bonn aber auch über ein umfangreiches Netzwerk zu Konservatorien und Musikhochschulen, über das ebenfalls vielversprechende Nachwuchstalente verpflichtet werden. Nicht selten waren Tourneen mit der Klassische Philharmonie Bonn Sprungbretter für weitere Konzertverpflichtungen und auch Initialzündung für internationale Musikkarrieren. Dabei kann das Orchester auf Tourneen mit Künstlern aus der ganzen Welt zurückblicken und so unterschiedlich deren Herkunfstländern sind, so unterschiedlich sind häufig auch deren Werdegänge. Im folgenden möchten wir die Solisten etwas persönlicher vorstellen und ihnen im Rahmen eines kleines Gespräches die Möglichkeit bieten, sich selbst vorzustellen.

> Ziyu He · Violine
1. Preisträger der Internationalen Mozartwettbewerbs der Universität Mozarteum Salzburg
Tournee im März 2018
Ludwig van Beethoven · Violinkonzert D-Dur op. 61

Herzlichen Glückwunsch zum Erfolg beim Internationalen Mozartwettbewerb! Kannst du uns ein bisschen von dem Wettbewerb erzählen? Was waren deine Erwartungen und wie denkst du wird der Erfolg deine weitere musikalische Karriere beeinflussen?  
Es war für mich eine riesig große Freude im Wettbewerb meiner eigenen Universität, dem Mozarteum Salzburg auf der Bühne zu stehen und dann auch noch den 1. Preis zu gewinnen. Das war eine tolle Erfahrung.  Natürlich ist jeder Wettbewerb wichtig und ein Meilenstein in einer jungen Karriere, aber der „hauseigene“ Wettbewerb war emotional natürlich etwas ganz besonderes. Ich bin sehr stolz am Mozarteum Salzburg zu studieren!  

Unser Dirigent hat gesagt „Beethovens Violinkonzert ist bei fast allen Musikern ein nie zu bezwingender Berg bei dem musikalische Fehler wie Regelverstöße sind. Dieses Konzert ist nichts für Angsthasen“. Wie denkst du darüber?
Das Beethoven Violin Konzert ist eines der schönten Konzerte des Violin-Repertoires. Dieses Konzert ist jedes mal aufs neue ein geheimnisvoller Schatz der Musik, der durch den Solist wieder zu Tage tritt und im Publikum zum glänzen kommt. Der Zauber der Musik entsteht aus ziemlich einfachen Melodien, die durch Beethoven´s Meisterhand so fabelhaft klingen und zu einem einzigartigen Meisterwerk wurden. Es ist ein großes Glück aller Musikern, dass wir heute dieses fantastische Werk dem Publikum präsentieren dürfen! Ich freue mich sehr, dieses Konzert auf der Tournee mit der Klassischen Philharmonie Bonn unter der Leitung von Heribert Beissl so oft präsentieren zu können. 

Du spielst eine Geige von Antonio Stradivari, der vielen als der beste Geigenbauer der Geschichte gilt. Was ist das für ein Gefühl auf so einem geschichtsträchtigen Instrument zu spielen und was ist das Charakteristische daran?
Auf der Schneiderhan Stradivari 1715 zu spielen war ein grossartiger Genuss und eine herausragende musikalische Erfahrung für mich. Ich hatte für knapp zwei Jahre das Privileg, dieses fast einzigartige Instrument zu spielen, was mir als Sieger des berühmten Menuhin Wettbewerbs in London zuteil wurde. Im Februar dieses Jahres musste ich das Instrument leider wieder abgeben. (Ursprünglich hatten wir gedacht, dass ich auch auf dieser Tournee diese Stradivari noch spielen könnte, aber der Wettbewerbs-Sieg bzw. -Preis und die Tournee liegen zeitlich so weit auseinander, dass dies dann leider nicht mehr möglich war. ….ob ich den Preis zu früh gewonnen habe oder die Tournee zu spät ist, das bleibt die lustige Frage dabei….)   Inzwischen spiele ich sehr gerne wieder auf meinem eigenen Instrument, einer Geige von Jean-Babtiste Vuillaume, die früher dem legendären Geiger Arthur Grumiaux gehörte. Sie ist nicht nur ein gutes Instrument, mit dem ich gerne spiele, sondern fühlt sich an wie ein Teil meines Körpers, mit dem ich Musik mache.  Manchmal, wenn ich nur die Geige in dem Hand halte und sie anschaue, sehe ich diese klare Schönheit der Geige. Ich bin wirklich sehr glücklich und bin tief in dieses Instrument verliebt.  

Nun noch ein persönliche Frage, die wir immer gerne stellen: Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch Musik machen?
Ich stamme aus einer Familie der Chinesischen Mittelschicht, bin Einzelkind und der einzige Musiker in meiner Familie. Meine Mutter begleitete mich in Salzburg und meiner Studienzeit bis ich volljährig war, das war nicht einfach für die Familie. Ich bin sehr dankbar dafür und auch, dass meine Familie mich sehr unterstützt auf diesem Musiker-Weg.

> Thomas Reif · Violine
2. Preisträger der Internationalen Mozartwettbewerbs der Universität Mozarteum Salzburg
Tournee im März 2018
Ludwig van Beethoven · Violinkonzert D-Dur op. 61

Herzlichen Glückwunsch zum Erfolg beim Internationalen Mozartwettbewerb! Kannst du uns ein bisschen von dem Wettbewerb erzählen? Was waren deine Erwartungen und wie denkst du wird der Erfolg deine weitere musikalische Karriere beeinflussen? 
Vielen Dank. Die Atmosphäre dieses Wettbewerbs war sehr angenehm. Auch weil ich ja von 2004 bis 2011 als Jungstudent am Mozarteum studiert hatte, kannte ich die Räume und die Säle. Es war also für mich auch schön, wieder dort zu sein. Generell darf man bei einem Wettbewerb nicht zu hohe Erwartungen haben, es kann ja völlig unterschiedlich laufen, egal, ob man sich nach dem Wertungsspiel gut oder schlecht fühlt. Trotzdem muss man selbstsicher auftreten, was vielleicht eine der Hauptschwierigkeiten eines Wettbewerbs ist. Sicherlich beeinflusst so ein Erfolg eine Karriere. In welcher Weise zeigt sich allerdings oft erst sehr verzögert. Die direktesten Folgen sind natürlich Konzerttourneen wie diese, die unmittelbar mit dem Wettbewerb zusammenhängen. Andere Veranstalter laden einen ein, weil sie den Livestream gesehen haben usw. Man macht sich also einen Namen, abgesehen von dem Reifeprozess, den man immer bei so einem Wettbewerb durchmacht und der einen sicherlich auch auf das Konzertleben vorbereitet. 

Unser Dirigent hat gesagt „Beethovens Violinkonzert ist bei fast allen Musikern ein nie zu bezwingender Berg bei dem musikalische Fehler wie Regelverstöße sind. Dieses Konzert ist nichts für Angsthasen“. Wie denkst du darüber? 
Sicherlich zählt dieses Violinkonzert zu den größten und schwersten. Und ich denke, selbst die besten Geiger haben auch nach vielen Aufführungen noch größten Respekt davor - und nicht immer das Gefühl, das Stück gemeistert zu haben. Trotzdem darf man natürlich nicht mit Angst an das Werk herangehen, da man sich sonst selbst blockiert. Vielleicht hilft es ja sogar, wenn man weiß, dass dieses Stück größer ist, als wir Musiker, und dass wir vielleicht ein Leben lang immer neue Ebenen dieses Werkes entdecken können. Für mich ist es jedenfalls eine große Freude und Ehre, dieses Konzert spielen zu dürfen.  

Du hast ja sowohl in kleinen Ensembles als auch in großen Orchestern Erfahrung gesammelt. Inwiefern unterscheidet sich da deine musikalische Herangehensweise? Was erwartest du von den gemeinsamen Konzerten mit der Klassischen Philharmonie Bonn? 
Natürlich unterscheidet sich die praktische Arbeitsweise in einem Sinfonieorchester zu der eines Kammerorchesters. Aber generell wünsche ich mir in jedem Klangkörper, egal wie groß, eine kammermusikalische Herangehensweise. Auch bei großen Sinfonien merkt man, ob die einzelnen Spieler untereinander kommunizieren. Das gilt auch für Violinkonzerte. Ich versuche bei allen Stücken eine Kommunikation mit dem Orchester aufzubauen - sei es Mozart, Glazunov oder Berg.  Auch wenn wir vor meinem ersten Konzert mit der Klassischen Philharmonie Bonn nur eine Probe am Konzerttag haben, hoffe ich - und glaube ich, dass wir uns im Laufe der sechs Konzerte gut kennenlernen und mit diesem wunderbaren Werk schöne Erlebnisse haben werden.  

Nun noch ein persönliche Frage, die wir immer gerne stellen: Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch Musik machen? 
Ja, meine Mutter ist Schulmusikerin und daher kommt wohl auch die musikalische Ader. Mein Vater ist Arzt und sehr musikbegeistert. Ich habe zwei Geschwister, die auch Musik machen - meine Schwester studiert Gesang und mein Bruder ist Dirigent. In der weiteren Verwandtschaft ist auch ein Schlagzeuger und eine Musiktherapeutin. Also insgesamt decken wir einige musikalische Bereiche ab!

> Alberto Ferro · Pianist
1. Preisträger der International Telekom Beethoven Competition Bonn
Tournee im Februar 2018
Felix Mendelssohn · Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll op. 25

Erzähle doch ein bisschen über den International Telekom Beethoven Competition Bonn (ITBCB): Was waren deine Erwartungen, wie war dein Weg durch den Wettbewerb und inwiefern denkst du, wird er deine weitere musikalische Karriere beeinflussen?   
Als ich zu dem Wettbewerb angetreten bin, habe ich nicht damit gerechnet zu gewinnen. Während des Wettbewerbs habe ich einfach immer nur versucht mein Bestes zu geben, ohne darüber nachzudenken, ob ich es in die nächste Runde schaffe. Der ITBCB ist ein bedeutender Wettbewerb, der es den Preisträger ermöglicht, zahlreiche Rezitale und Konzerte mit Orchester bei bedeutenden Festivals in Deutschland und im Ausland zu spielen. 

Warst du in der Vergangenheit bereits mit einem Orchester auf Tour? Was sind deine Erwartungen an die Tournee mit der Klassischen Philharmonie Bonn?  
Ich habe bereits zwei kleinere Tourneen gespielt: mit dem Haydn Orchestra aus Bolzano und Trento habe ich nach dem Busoni Wettbewerb Shostakovichs erstes Klavierkonzert gespielt und mit dem Antwerpener Sinfonieorchester habe ich nach dem Königin Elisabeth Wettbewerb Beethovens viertes Klavierkonzert gespielt. Die Tour mit diesem prestigeträchtigen deutschen Orchester wird allerdings die längste sein, die ich bis dato gespielt habe. Ich denke also, dass ich den Dirigenten und das ganze Orchester auch näher kennenlernen werde.

Kennst du das erste Klavierkonzert von Mendelssohn und was ist dein Bezug dazu?   
Es wird das erste Mal sein, dass ich dieses wunderbare Klavierkonzert spiele und freue mich schon sehr darauf. Es ist eines der kürzesten Klavierkonzerte der romantischen Phase. In den nur knapp 20 Minuten finden man etliche brillante Passagen und lyrische Themen mit ganz unterschiedlichen Charakteren. Ich fühle mich sehr verbunden mit diesem Konzert, vielleicht auch, weil Mendelssohn es schrieb, als er so alt war, wie ich jetzt: 21. 

Noch eine persönlichere Frage: Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch musikalisch aktiv sind? 
Ich komme aus einer halb musikalischen Familie. Meine Mutter hat Klavier studiert und einen entsprechenden Abschluss am Konservatorium gemacht. Geschwister habe ich allerdings nicht.

Foto: © Dan Hannen

> Tomoki Kitamura · Pianist
2. Preisträger der International Telekom Beethoven Competition Bonn
Tournee im Februar 2018
Felix Mendelssohn · Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll op. 25

Erzähle doch ein bisschen über den International Telekom Beethoven Competition Bonn (ITBCB): Was waren deine Erwartungen, wie war dein Weg durch den Wettbewerb und inwiefern denkst du, wird er deine weitere musikalische Karriere beeinflussen?   
Im Grunde bin ich kein großer Freund von Wettbewerben. Ich empfinde es als schmerzhaft mit anderen verglichen zu werden. Ich möchte eigentlich nur die Musik spielen, die ich liebe, und dabei ich selbst sein. Aber wie dem auch sei, als Musiker muss man ja letzten Endes auch gehört werden und selbst wenn Musik etwas sehr persönliches ist, denke ich, dass Sie irgendwie auch geteilt werden muss. Ich finde, dass der ITBCB da perfekt ins Bild passt. Bereits in der ersten Runde kann man 45 Minuten lang spielen, was lang genug ist, um mit der Musik etwas auszudrücken. Darüber hinaus wurden alle Auftritte im Internet übertragen. Meine Vorbereitung auf den Wettbewerb war eine Art Entdeckungsreise, bei der ich mich selbst durchsucht und analysiert habe - auch philosophisch. Es war ein Versuch zu verstehen, wer ich bin und welche Rolle die Musik in meinem Leben spielt. Das Ziel war es auf der Bühne so sehr ich selbst zu sein, wie irgendwie möglich. Das war wirklich harte Arbeit, aber menschlich eine großartige Erfahrung

Warst du in der Vergangenheit bereits mit einem Orchester auf Tour? Was sind deine Erwartungen an die Tournee mit der Klassischen Philharmonie Bonn?  
In Japan, ja. Aber es ist das allererste Mal für mich, dass ich zwei Konzerte an einem Tag spiele. Ich spiele gerne mehrmals ein und das gleiche Stück, denn unterschiedliche Orten und verschiedene Tage machen auch mich unterschiedlich. So entdecke ich selber plötzlich etwas Neues in der Musik, manchmal sogar auf der Bühne. Ich finde ein Klavierkonzert ist eine Unterhaltung. Ich erwarte und hoffe, dass ich auch drei unterschiedliche Geschichten erzählen werde, wenn ich mit der Klassischen Philharmonie Bonn in drei verschiedenen Städten spiele. 

Kennst du das erste Klavierkonzert von Mendelssohn und was ist dein Bezug dazu?   
Ich mag Mendelssohn und sein „Sommernachtstraum“ ist eines der schönsten Stücke der frühen Romantik. Ich bin immer wieder beeindruckt von der transparenten Farbgebung und Sensibilität, die man wohl am besten als „empfindlich“ beschreiben kann. Um ehrlich zu sein habe ich aber nie damit gerechnet das Klavierkonzert zu spielen. Es gibt so viele Werke, aus denen man für sein Repertoire schöpfen kann. Da muss man Prioritäten setzen, insbesondere da ich Stücke nicht nur oberflächlich lernen will. Für mich ist ein neues Stück zu lernen, wie einen neuen Menschen kennen lernen. Jetzt, wo ich damit beschäftigt bin das Stück zu lernen, lerne ich auch jeden Tag einen neuen Charakterzug kennen. Ich hoffe, dass mein Verhältnis zu dem Werk von Dauer sein wird und bin sehr glücklich darüber, dass ich das Stück zum ersten Mal in solch einem großartigen Rahmen spielen kann. 

Noch eine persönlichere Frage: Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch musikalisch aktiv sind? 
Meine Eltern und meine Geschwister sind selber keine Musiker. Sie interessieren sich sehr für Musik, wenn auch nicht für klassische, und ich erinnere mich, dass zu Hause eigentlich immer Musik lief.

Foto: © Dan Hannen

> Tamari Okroashvili · Pianistin
Tournee im Januar 2018
Edvard Grieg · Klavierkonzert a-Moll op. 16

Du hast ja schon sehr früh angefangen Klavier zu spielen. Wusstest du schon immer, dass du das beruflich machen willst oder hast du jemals daran gedacht etwas anderes zu machen?
Es war mir irgendwie immer klar, das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich habe eigentlich nie wirklich an etwas anderes gedacht. Im Alter von fünf Jahren hat mich mein Vater an der Musikschule angemeldet. In Georgien ist es so, dass man dafür vorher eine kleine Aufnahmeprüfung bestehen muss, bei der es darum geht, Noten nach Gehör zu erkennen. Mir wurde nach der Prüfung gesagt, dass mein Gehör sehr gut sei und nahegelegt, mit Geigenunterricht anzufangen. Mein Vater wollte aber unbedingt, dass ich Klavier spiele, weil eine langjährige Freundin von ihm an der Musikschule Klavier unterrichtet hat und er sich wünschte, dass ich bei ihr Unterricht nehme. Nachdem ich ein Jahr lang bei ihr Unterricht erhalten hatte, verwies sie mich wiederum an eine weitere Lehrerin, Tamar Okoloti, die mich besser fördern könne. In Georgien ist es übrigens so, dass die Grundausbildung – wenn man es so nennen will – am Klavier sieben Jahre dauert. Für diese ersten sieben Jahre wurde mir das Schulgeld erlassen – gewissermaßen als Fördermaßnahme. Zu der Zeit habe ich übrigens auch angefangen Konzerte zu spielen. Nach diesen sieben Jahren bin ich dann an die Musikschule für Hochbegabte nach Tiflis gekommen. Da ich die Aufnahmeprüfung dort sehr gut abgeschlossen hatte, konnte ich meine Ausbildung auch dort kostenfrei fortsetzen. Ich muss dazu sagen, dass das musikpädagogische System in Georgien wirklich sehr gut ist. In Deutschland habe ich den Eindruck, dass Klavierunterricht vielleicht eher als Hobby angesehen wird, wohingegen es in Georgien sehr ernst genommen wird. Ich würde auch behaupten, dass in Georgien fast jede Familie ein Klavier besitzt. Dort stehen mir zum Beispiel zwei Klaviere zur Verfügung, hier hingegen habe ich kein eigenes.

Kennst du das Klavierkonzert von Grieg und was ist dein Bezug dazu?Tamari bei einem Konzert im Kindesalter
Nein, ich habe es vorher noch nicht gespielt, aber ich kannte es natürlich – es ist ja auch eines der meistgespielten Klavierkonzerte. Ich schreibe nun aber auch meine Masterarbeit über dieses Konzert. Nachdem mich Herr Beissel vor ca. einem Jahr gefragt hat, ob ich das Konzert spielen möchte, war mir klar, dass ich mich sehr intensiv mit dem Stück beschäftigen würde. Daraufhin habe ich mit Herrn Prof. Köhler, meinem Professor hier an der Uni in Halle, vereinbart, dass ich darüber meine Masterarbeit schreiben kann. Mittlerweile habe ich die Arbeit auch schon zur Korrektur vorgelegt. In der Arbeit geht es um die technischen Schwierigkeiten des Stückes, ein wenig um dessen Entstehungsgeschichte, aber ich gehe dort auch auf pädagogische Aspekte ein.

Hast du in der Vergangenheit bereits mit einem Orchester zusammen gespielt?
Nein, das habe ich leider noch. In Georgien hat sich nie die Gelegenheit dazu ergeben, denn das ist dort auch gar nicht so einfach. Ich habe schon in ganz unterschiedlichen Konstellationen gespielt, ich mache sogar die Liedbegleitung für einen Kinderchor. Aber mit einem Orchester habe ich noch nie gespielt und finde das ziemlich aufregend.

Kommst du aus einer musikalischen Familie? Hast du Eltern oder Geschwister, die auch musikalisch aktiv sind?
Meine Eltern haben auch die eingangs erwähnten sieben Jahre Klavierausbildung absolviert, spielen aber nicht mehr aktiv. Sie hören beide sehr gerne Musik und so werden sie mich Anfang dieses Jahres in Deutschland besuchen und auch ins Konzert nach Bonn am 4. Februar kommen, was mir natürlich sehr viel bedeutet. Ansonsten spielt mein junger Bruder noch sehr gut georgische Folklore auf verschiedenen georgischen Instrumenten. Georgische Volkslieder sind im Übrigen sehr interessant; ich studiere im Nebenfach Gesang und singe dort überwiegend georgische Volkslieder. Die Lieder sind alle polyphon, mindestens dreistimmig, und ich singe eigentlich kaum etwas anderes, weil mich das einfach sehr glücklich macht. In Georgien hat das Singen eine sehr große Tradition und ich würde behaupten, dass dort in jeder Familie mindestens eine Person singt.

Hast du neben dem Klavierspiel noch eine andere Leidenschaft oder ein Hobby, dem du nachgehst?
Nein, ich denke dafür fehlt mir einfach die Zeit. Ich muss mir mein Studium selbst finanzieren und das ist natürlich recht zeitintensiv. Wenn ich nicht an der Uni bin, arbeite ich an einer Musikschule und unterrichte dort dreißig Schüler. Da bleibt wenig Zeit für Hobbys. Es ist ohnehin nicht einfach, wenn man als Georgierin in Deutschland studieren will. Neben der Finanzierung des Alltags, muss man auch noch einen größeren Geldbetrag auf einem Sperrkonto vorweisen – gewissermaßen als Sicherheit. Auch das war eine große Hürde und wenn die Großeltern meines Freundes nicht gewesen wären, die mir das Geld geliehen haben, hätte ich gar nicht studieren kann. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Zum Abschluss noch eine Frage nach deinen Plänen für die Zukunft. Wo soll es denn nach deinem Studium hingehen?
Tja, da interessiert mich natürlich so einiges. Ich denke, ich möchte vor allen Dingen eine gute Konzertpianistin sein. Das ist einfach meine große Leidenschaft und ich fühle mich auf der Bühne auch sehr gut. Mittlerweile interessiert mich die Pädagogik aber auch zunehmend und ich würde gerne weiter an einer Musikschule unterrichten und noch lieber irgendwann an einer Musikhochschule.